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Barocke Reflexionen – Alte Musik als Inspiration
Vokalmusik von Michael Praetorius, Hans Leo Haßler, Georg Philipp Telemann, Reiko Füting und Oliver Schneller

Vocalconsort labia vocalia, Klangregie: Oliver Schneller, Leitung: Reiko Füting

Das Konzertprogramm stellt Chorwerke des Frühbarock und von Georg Philipp Telemann Kompositionen unserer Zeit gegenüber, die durch diese historischen Vorbilder inspiriert wurden.
Der in New York lebende Komponist Reiko Füting bezieht sich in seinen Chorwerken auf Hans Leo Haßlers »Ach weh des Leiden« aus der Sammlung »Lustgarten neuer teutscher Gesänge, Balletti, Galliarden und Intraden« (Nürnberg 1601) und Michael Praetorius‘ Choral »Lobt Gott in allen Landen«, die durch musikalische Zitate und die zugrunde liegenden Gedichte von Kathleen Furthmann, die die Originaltexte reflektieren, in eine heutige Klangsprache übersetzt werden.
Des Weiteren erklingt die Uraufführung einer gemeinsamen Arbeit des Berliner Komponisten und Klangkünstlers Oliver Schneller und der Kontraaltistin Tabea Wollner, die das Lied »Die Einsamkeit« aus Telemanns »Singe-, Spiel- und Generalbassübungen« in besonderer Weise für Singstimme und Live-Elektronik adaptiert.

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Die Befreiung Israels
Geistliches Drama
von Johann Heinrich Rolle

Vocalconsort labia vocalia, Chemnitzer Barockorchester, Solisten
Leitung und Cembalo: Sebastian Knebel


Der Magdeburger Musikdirektor Johann Heinrich Rolle (1716-1785) schuf mit den »Magdeburgischen Concerten« und Aufführungen seiner Geistlichen Dramen im Seidenkramerinnungshaus am Alten Markt im 18. Jahrhundert die Grundlagen eines bürgerlichen Konzertlebens in Magdeburg. Die moderne Erstaufführung des Werks »Die Befreiung Israels«, das geistliche Themen mit opernhaftem Ausdruck verbindet, erklingt zusammen mit Rolles Clavierkonzert in c-Moll im Eröffnungskonzert des Festivals "7. Magdeburgisches Concert - Festtage zur regionalen Musikgeschichte Magdeburgs".

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Mechthild und Hildegard

Im Jahr 2007 jährte sich zum 800. Mal der Geburtstag der großen mittelalterlichen Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1207-1282/94). Anders als Hildegard von Bingen (1098-1179), eine andere großen Gestalt der mittelalterlichen Frauenmystik, vor ihr hat Mechthild von Magdeburg keine musikalischen Kompositionen hinterlassen. Doch finden sich in ihren Texten zahlreiche Metaphern, die sich auf die Musik und - vor allem - auf den Tanz beziehen.
Von Hildegard von Bingen (1098-1179), einer visionären Mystikerin wie Mechthild von Magdeburg, sind neben zahlreichen geistlichen Texten und medizinischen Abhandlungen auch eine verhältnismäßig große Anzahl von musikalischen Kompositionen (Hymnen, Antiphone und ein geistliches Singspiel) auf uns gekommen. 

Während der Lebenszeit der Mechthild von Magdeburg vollzog sich in der europäischen Musik ein radikaler Umbruch von einstimmigen, am gregorianischen Choral orientierten Kompositionen (wie sie uns in den Kompositionen Hildegards begegnet) hin zu überaus komplexen mehrstimmigen Formen (Conductus, Motette, Organum). In der Notre-Dame-Epoche, die von ca. 1160 bis etwa 1250 dauerte und nach ihrem geistigen Zentrum, der Notre-Dame-Kathedrale von Paris, benannt wurde, erreichte die europäische Kirchenmusik mit überaus kunstvollen mehrstimmigen Choralbearbeitungen eine frühe Blüte. 

Es lag also nahe, im Rahmen einer Mechthild-Ehrung ein musikalisches Programm zu konzipieren, das Musik von Hildegard von Bingen mit Beispielen der damals innovativen Kirchenmusik und Vertonungen von Texten Mechthilds und Hildegards durch Komponisten unserer Epoche zu kombinieren, die in ihrer Tonsprache Bezug auf die Anfänge mehrstimmigen Komponierens nehmen. 

Der Berliner Komponist Oliver Schneller greift in seinem Stück candidum lilium auf die mittelalterliche Form des Antiphons zurück, die auch von Hildegard bevorzugt verwendet wurde und gestaltet einen Text der Mystikerin als Wechselgesang zwischen 5 Sängern und Lautsprechern. Das Werk wurde im Juni 2006 mit großem Erfolg in der Magdeburger Konzerthalle uraufgeführt. 

Auch der Amerikaner Sidney Corbett ist in hohem Maße an der  Gedankenwelt der Mystik interessiert und verweist vor allem in seiner Vokalmusik auf Kompositionstechniken dieser Epoche. Er plant, für das Vocalconsort labia vocalia eine fünfstimmige A-cappella-Komposition nach mittelhochdeutschen Texten Mechthilds zu schaffen.

Bereits im Jahr 2000 hat sich der in New York lebende Komponist Reiko Füting mit dem Thema »Mechthild von Magdeburg« in seinem Werk »...und du bist mein Spiegel« für Sopran und Streichquartett musikalisch auseinandergesetzt. Ein weiteres Vokalwerk mit unmittelbarem Bezug zur Musik des Mittelalters wurde als Auftragswerk des MDR im Rahmen des MDR-Musiksommers am 28. August 2004 auf der Wartburg zu Eisenach erfolgreich uraufgeführt.

Für das hier beschriebene Konzertprojekt des Vocalconsorts labia vocalia hat Reiko Füting ein Stück für 5 Singstimmen und Saxophon nach einem Text von Kathleen Furthmann mit Bezug zu Mechthild von Magdeburg komponiert.


Programm:
Werke von Hildegard von Bingen, Magister Perotinus und anonymen
Komponisten der Notre-Dame-Epoche, Kompositionen von Sofia Gubaildulina, Oliver Schneller, Reiko Füting und Sidney Corbett.

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Zum 350. Todestag von Tobias Michael
Vocalconsort labia vocalia & Sebastian Knebel (Orgel und musikalische Leitung)

Im Jahr 2007 wurde auch des 350. Todestages des Barockkomponisten Tobias Michael (1592-1657) gedacht. Das Vocalconsort labia vocalia bereitet aus diesem Grund gemeinsam mit dem Organisten und Ensembleleiter Sebastian Knebel ein Konzertprogramm mit Werken des Komponisten vor, der u.a. in Dresden, Jena, Wittenberg und Sondershausen als Kantor und Kapellmeister wirkte, bevor er als Nachfolger Johann Hermann Scheins die Nachfolge im Amt des Leipziger Thomaskantors antrat. Ergänzt wird das Programm durch Werke seines Vaters Rogier Michael sowie von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein.

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Salve, Virgo Virginum -
Musik des Mittelalters und der Moderne
Vocalconsort labia vocalia & Oliver Schneller (Saxophon, Klangprojektion)

Die Musik des europäischen Mittelalters übt eine große Faszination auf das heutige Publikum wie auf Autoren der Neuen Musik aus. Auch der Komponist und Saxophonist Oliver Schneller ließ sich von der Klangwelt dieser frühen Musik inspirieren. In besonderer Weise widmen sich seine Werke, die neben traditionellem musikalischem Material auch elektronische Möglichkeiten der Klangerzeugung einbeziehen, dem Verhältnis von Musik und Raum. iIn einem gemeinsamen Projekt mit dem Vocalconsort labia vocalia soll die Raumwirkung sakraler Bauten durch interaktion zwischen Sängern und einer computergestützten 4-Kanal-Klangprojektion ausgelotet werden. Dabei erklingen sowohl Originalwerke der Notre-Dame-Epoche als auch eigens für dieses Projekt entstandene Kompositionen Oliver Schnellers.

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Matthäus-Passion
von Johann Theile (1646 – 1724)
Vocalconsort labia vocalia & Instrumentalisten – Christoph Burmester (Evangelist), Helge Rowold (Jesus), Anne Schumann (Viola), Amber McPerson (Viola), Renate Pank (Viola da gamba), Katharina Schlegel (Viola da gamba), Carsten Hundt (Violone), Petra Burmann (Chitarrone), Sebastian Knebel (Orgel und Leitung)

Theile ist die vielleicht eigentümlichste Gestalt in der deutschen Musik des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Er, der es in keinem Kapellmeisteramt länger als fünf Jahre ausgehalten, sich den Lebensunterhalt über längere Zeiträume hinweg als freier Kompositionslehrer verdient und damit ein für seine Zeit beispiellos ungebundenes Leben geführt hat, ist dennoch zu einer noch von J.G. Walther und J. Mattheson respektierten Autorität geworden, zu einem »Vater des Kontrapunkts«. Daß er zugleich den Vätern der deutschen Oper zuzurechnen ist, ist nur ein scheinbarer Widerspruch. (...) Als Musiktheoretiker ist Theile Stammvater einer nord- und mitteldeutschen Kontrapunktiker-Schule, deren Tradition in direkter Überlieferung über J. Ph. Foertsch und Österreich zu H. Bokemeyer und J. G. Walther und darüber hinaus mittelbar zum Spätwerk Bachs führt. (...) Zukunftsweisend ist (...) Theiles Passion gewesen, in der (...) erstmalig in größerem Umfang solistische AriaStrophen zwischen die dramatischen Partien gesetzt sind, während sich J. Sebastiani ein Jahr zuvor mit Kirchenlied-Einschüben begnügt hatte.; eine Besonderheit ist auch die motivisch dichte, fast konzertante Gambenbegleitung der Evangelistenpartie.
(aus Musik in Geschichte und Gegenwart)


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»Kommt her und schauet…«
Motetten und Konzerte von Johann Heinrich Rolle
Vocalconsort labia vocalia & Barock a.c.c.u.u.t. (Leipzig)
musikalische Leitung: Sebastian Knebel

Er war einer der bekanntesten und am meisten geschätzten deutschen Musiker seiner Zeit - der Magdeburger Musikdirektor Johann Heinrich Rolle. Von 1746 bis zu seinem Tode 1785 wirkte Rolle in der Elbestadt und prägte das Musikleben Magdeburgs nachhaltig. Die von ihm veranstalteten Magdeburgischen Concerte im Seidenkramerinnungshaus am Alten Markt begründeten in der Stadt ein bürgerliches Musikleben mit öffentlichen Konzerten. Seine Werke, die in Textauswahl und musikalischem Gestus die Empfindungen seiner Zeitgenossen so vollkommen zu rühren verstanden, wurden von Musikfreunden in ganz Deutschland geschätzt. Einige der berühmtesten Komponisten seiner Zeit zählte er zu seinen Freunden, allen voran Carl Philipp Emanuel Bach, mit dem er in der Kapelle des preußischen Königs Friedrich II. musiziert hatte. Auf Grund des sich wandelnden musikalischen Geschmacks und einer gewissen Geringschätzung des „empfindsamen Stils" der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, geriet sein Werk (wie das so manchen anderen großen Meisters) nach seinem Tod zunehmend in Vergessenheit. Erst seit einigen Jahren bemühen sich namhafte Interpreten darum, die musikalischen Schätze aus der Feder Johann Heinrich Rolles zu heben und einem begeisterten Publikum die Schönheit und Originalität dieser Musik erneut zu vermitteln. Die Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert unter der Leitung von Hermann Max sowie der Magdeburger Kammerchor zusammen mit dem von Ludger Rémy geleiteten Telemann-Kammerorchester Michaelstein haben in Magdeburg bereits Musikalische Dramen von Johann Heinrich Rolle in eindrucksvollen Interpretationen zu Gehör gebracht. Das Vocalconsort labia vocalia, dessen künstlerische Entwicklung aufs Engste mit der Stadt Magdeburg verbunden ist, möchte ebenfalls einen Beitrag zur Wiederentdeckung des großen Meisters leisten. Gemeinsam mit dem Leipziger Ensemble Barock a.c.c.u.u.t. stellt die Vokalgruppe unter der musikalischen Leitung von Sebastian Knebel Motetten des Magdeburger Musikdirektors vor. Im Programm erklingen geistliche Chorwerke, Konzerte für obligates Cembalo und Streicher sowie Ausschnitte aus dem Singspiel »Melida«.

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»Melida«
Singspiel von Johann Heinrich Rolle (1716 - 1785)
Vocalconsort labia vocalia
Kirstin Giertler, Inszenierung
Christine Tschirge, Hammerklavier und musikalische Leitung

Das Singspiel in drei Aufzügen von Sucro und Rolle schildert das Schicksal von Melida, einer jungen Frau, die nach dem Tod der Eltern gegen ihren Willen in einem Kloster leben muß, wo sie für Ihre Liebe zum heimlich angetrauten Gatten mit dem Leben bezahlt.
Das Vocalconsort labia vocalia präsentiert – einer in der Entstehungszeit des Werkes gängigen Musizierpraxis folgend – dieses Singspiel in einer Aufführung nach dem 1785 in Leipzig erschienenen Klavierauszug.


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P A S S I O N S M U S I K
Heinrich Schütz
Johannes-Passion SWV 481
Musikalische Exequien SWV 179-181
Vocalconsort labia vocalia, Christoph Burmester (Evangelist), Petra Burmann (Laute), Carsten Hundt (Violone), Sebastian Knebel (Orgel und musikalische Leitung)

Die Entwicklung der mitteldeutschen Barockmusik des 17. Jahrhunders wurde von kaum einem Komponisten so maßgeblich beeinflußt wie von Heinrich Schütz. Nachdem die Reformation viele kirchenmusikalische Neuerungen hervorgebracht hatte, zu nennen seien hier die Auseinandersetzungen um eine musikalische Eindeutschung der Liturgie oder das überaus fruchtbare Kirchenliedschaffen, welche zusammen den Boden für neue musikalische Formen und ein besonders inniges Wort/Ton-Verhältnis bereiteten, wurde Heinrich Schütz eine wesentliche Integrationsfigur. Er verstand es diese regionalen Entwicklungen mit den führenden europäische Strömungen zu verschmelzen. Gleichzeitig schlug er den Bogen zu jahrhundertealten vorreformatorischen Traditionen. In besonderer Weise zeigen dies die Musikalischen Exequien (1636) und seine drei Passionen.
In der Reihe der protestantischen Trauermusiken stehend zeigen die Musikalischen Exequien eine Neuartigkeit und Größe wie sie nur durch meisterliche Lösung einer schwierigen künstlerischen Aufgabe entstehen konnte. Der Auftraggeber, Landesvater Graf Heinrich Posthumus Reuß, hatte die Texte für seine eigene Begräbnismusik bis ins einzelne festgelegt und auch auf die Art der kompositorischen Ausarbeitung Einfluß genommen. Im Ergebnis versammeln sich in den Musikalischen Exequien gleich einem Brennglas alle Techniken Schützscher Vokalkunst. Italienische Satzkunst begegnet deutscher Kantorentradition, solistisches Konzertieren und mehrchörige Setzung verbindet sich mit Bibelwortvertonung und Kirchenliedbearbeitung.
Die drei Passionen stehen ganz in der Tradition der Choral- bzw. Motettenpassion. Als kühner Neuerer erweist sich Schütz hier im Umgang mit dem Bibeltext. In den Solopassagen verknüpft er Elemente des deutschen Liedes mit altem Passionston und florentinischer Opernmonodie zu unerhörter Intensität. Mit den Turbae schafft er dramatische Situationsbilder äußerster Knappheit und Realistik.


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Die Magdeburger Schule
- Magdeburger Kantoren zwischen Reformation und 30jährigem Krieg
Werke von Gallus Dressler, Leonhart Schröter, Heinrich Grimm u.a.
Vocalconsort labia vocalia, Irene Klein (Viola da gamba), Frank Pschichholz (Laute),
Gisela Semper (Orgel und musikalische Leitung)

Die Ideen der Reformation, welche von Mitteldeutschland ausgehend die abendländische Kultur nachhaltig verändern sollten, fielen in Magdeburg frühzeitig auf fruchtbaren Boden. Schon bald nach dem Thesenanschlag Martin Luthers war die Stadt auf dem Wege, zu einem der führenden Zentren der neuen Glaubenslehre zu werden.
Schnell entwickelte sich hier eine eigenständige protestantische Kirchenmusik. Kantoren wie Martin Agricola und Gallus Dressler schufen im Laufe des 16. Jahrhunderts eine Tradition unverwechselbarer und qualitativ hochwertiger Sakralmusik, die von ihren Nachfolgern im Amt, Leonhart Schröter (um 1532 - nach 1600), Friedrich Weißensee (1560 - 1622) und Heinrich Grimm (1593 - 1637) fortgeführt wurde. Diese Komponisten, deren Schaffen weit über Magdeburg in den mitteldeutschen Kulturraum und darüber hinaus ausstrahlten, wurden von ihren Zeitgenossen unter dem ehrenden Begriff „Magdeburger Schule“ zusammengefaßt.
Das Vocalconsort labia vocalia möchte am Beispiel der „Magdeburger Schule“ die zunehmende Beinflussung der protestantischen Kirchenmusik Mitteldeutschlands durch moderne Techniken der frühbarocken Musikentwicklung (wie mehrchöriges Komponieren und Generalbaßpraxis) dokumentieren. In einer musikalisch-literarischen Collage, die neben Sängern und Instrumentalisten auch Schauspieler einbezieht, wird das Konzertprojekt des Vocalconsorts labia vocalia anhand von Werken der obengenannten Komponisten und literarischen Zeitdokumenten u.a. von Gabriel und Georg Rollenhagen einen Einblick in die zeit-, stadt- und musikgeschichtlich bedeutsame Epoche von der Reformationszeit bis zum Ende des 30jährigen Krieges vermitteln.
 

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© 2006 vocalconsort labia vocalia GbR – Letzte Aktualisierung 2014-05-30

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